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Aleksandr P. Novikov. V. M. C(ernov: C(elovek i politik. Materialy k biografii. [V. M. C(ernov: Mencsh und Politiker/ Materialien zur Biografie]..Karin Huser, Zu"rich Izdat. Akvarius. Saratov 2004. 316 S

Viktor Michailovich Chernov (1873–1952) geho"rt zweifellos zu den grosen Figuren der russischen revolutionaren Bewegung zwischen 1900 und 1917 sowie in der sowjetischen Zeit. Als geistiger Kopf der Partei der Sozialrevolutionare (PSR) gehorte er nicht nur zu den Grundern der 1901 im finnischen Exil konstituierten Partei, sondern blieb uber die ganze Zeit ihres Bestehens einer ihrer wichtigsten Trager. Er gehorte jedoch im Revolutionsjahr 1917 zu den Verlierern, da Lenins bolschewistische Partei trotz zahlenmassiger Unterlegenheit das Rennen machte. So kam es, da? sich sowohl die sowjetische als auch die westliche Forschung uber Jahrzehnte hinweg auf die RSDRP konzentrierte. Erst seit den fu"nfziger Jahren, als die Monographien von Radkey (1958, 1963), Blakely (1971), Perrie (1976), Hildermeier (1978), Baynac (1979), Melancon (1984), Ha"fner (1994) und Huser (2004) erschienen, war die PSR zumindest im Westen ein Forschungsthema. Schlecht sieht es jedoch bis heute bei den Fuhrungspersonlichkeiten dieser Partei aus; Biografien sind nach wie vor grose Mangelware.

Aleksandr P. Novikov, der selbst aus Novousensk (Saratover Gebiet), der Geburtsstadt Chernovs, stammt und an der Staatlichen Technischen Universitaht in Saratov lehrt, beschahftigt sich seit Jahren mit der Persohnlichkeit und dem umfangreichen schriftlichen Nachlass seines Landsmanns. Im Sommer 2004 publizierte Novikov „Materialien fuhr eine Biografie“, eine reichhaltige Sammlung an Archivalien aus dem GARF in Moskau und der Hoover Library in Stanford, CA. Novikos Materialsammlung enthahlt vier Teile: Der erste Teil besteht aus einem detailreichen biografischen Essay, der neue Fakten namentlich uber die Zeit seines Exils nach dem Russischen Burgerkrieg einschliest. Im zweiten Teil prasentiert Novikov vierzehn Briefe (zehn davon bisher unpubliziert), die Chernov nach 1920 an bedeutende politische Personlichkeiten und Organisationen schrieb. Der dritte Teil zeigt die Person Chernovs in der Wahrnehmung von Parteigenossen sowie des Menschewisten und Archivars B. I. Nikolaevskij. Der vierte Teil schliesslich besteht aus der bisher umfassendsten Bibliografie von Chernovs Werken.

Abgesehen davon, dass Novikovs Materialsammlung per se jedem PSR-Forscher grose Dienste erweist, gibt sie Anlass zur Annahme, dass die von Novikov in Arbeit befindliche Chernov-Monografie ein Desiderat erfullt: jenes einer Biografie, die samtliche Lebensphasen des Revolutionars umfa?t, sie zueinander in Beziehung zetzt und der Bedeutung des gro?en intellektuellen Fuhrers endlich gerecht wird.

Jahrbucher fur Geschichte Osteuropas. 2006. B.54. H.4.

Karin Huser, Zu"rich